Kritisch hinterfragt

Ist es das erste Mal, dass Sie für ein politisches Amt kandidieren?
Ja. Obwohl ich mir über eine Kandidatur schon lange Gedanken gemacht habe, ging das richtige Türchen bisher nicht auf. Nun kam es fast etwas überraschend aber deswegen nicht weniger passend, im Gegenteil. Die Gemeindepolitik scheint mir zudem besonders interessant, da es sich primär um eine Personen- und nicht Parteipolitik handelt und die Kollegialität genauso wie eine pragmatische Entscheidungsfindung unabhängig jeder Parteizugehörigkeit im Vordergrund steht.

Politische Vorbilder?
Eigentlich keine. Ich möchte primär mir selber und meinen ethisch moralischen Grundsätzen treu bleiben. Ich zähle Menschen die das vorleben generell zu meinen Vorbildern. Herausheben möchte ich an dieser Stelle vielleicht Pascale Bruderer: Sie ist in ihrer (sozialen) Haltung gut und authentisch und darum besonders glaubwürdig, sie ist äusserst intelligent und hat trotz Zugehörigkeit zur politischen Linken nie polarisiert sondern vielmehr versucht Brücken zu schlagen. Leider ist es so, dass man die guten Leute weniger kennt, weil sie die Sache und nicht sich selber in den Vordergrund stellen. Mit guter Sachpolitik lassen sich keine Schlagzeilen machen. Mit Polemik schon.

Wie oft gehen Sie abstimmen/ wählen?
Immer. Demokratie funktioniert nur wenn die Leute mitreden.

Wie gut kennt man Sie in der Region?  Werden Sie auf Ihre Kandidatur angesprochen?
Erstaunlich gut, ich werde hier häufig auf meine Kandidatur angesprochen. Man ist da bekannt wo man sich zeigt und engagiert. Viele Leute wissen auch, dass ich am SPZ in Nottwil gearbeitet habe oder haben von mir schon einmal einen Bericht oder Beitrag in den Medien gesehen und können mich deswegen "zuordnen" wenn sie mich treffen. Der Rollstuhl hat einen grossen Wiedererkennungseffekt, vor allem in Kombination mit Klavierspielen oder der Medizin - wohl nicht zuletzt dank dem Dok Film von SF "Der Arzt im Rollstuhl - ungebremst seinen Zielen entgegen".

Wie sieht Ihr Wahlkampf aus? Veranstaltungen? Stammtisch-Besuche?
Ich habe von Anfang an betont, dass die Wahl für mich kein „Kampf“ ist. Ich kann versuchen dazu beizutragen, dass die Leute hier in Eich wissen, zu wem der Name „Christian Wenk“ auf dem Wahlzettel gehört. Und dass sie dabei eine positive Assoziation haben. Das tue ich. Alles andere würde nicht zu mir passen. Mit Küken und Ostergeschenken zu locken ist zwar nett aber für differenziert denkende Menschen ein schlechtes Wahlargument.

Welche Schwerpunkte würden Sie als Gemeindepräsident setzen?
Priorisieren kann man erst, wenn man Traktanden hat. Allgemein wichtig ist für mich in jeder Sachfrage Toleranz und Kollegialität, im Gemeinderat selbst, aber auch gegenüber jedem Einzelnen. Und genauso wie im persönlichen Leben würde ich in der Politik versuchen, meinen Grundwerten treu zu bleiben.

Auch Interesse für die nationale Politik? Was regt Sie dabei auf?
Nationale Politik interessiert mich zwar sehr, aber ich weiss dass ich das nötige Frustrationspotenzial oder ganz einfach die nötige "dicke Haut" für ein engagiertes Mitarbeiten nicht mitbringe. Zu oft werden die Entscheide meines Erachtens eher bestimmt durch Lobbying als durch Sachkenntnis oder Weitsicht. Zu oft werden Diskussionen emotional statt pragmatisch geführt. Und zu oft geht der Respekt verloren angesichts der teils offen ausgetragenen Animositäten. Und ich würde sogar vermuten, dass auf dieser Ebene die Wahrscheinlichkeit zunimmt, Menschen zu begegnen, die sich selber wichtiger sind als alles andere.